"katastrofa!"
Wie Nicolae Lupu Einzelweltmeister wurde

Screenshot: MS v kolkoch Banja Luka 2008 finale 07 WM im kegeln Banja Luka 2008/KOLKYSK/YouTube
Mit SlowMotion und Kamerakran ging die Übertragung des Einzel-WM-Finales zwischen Lupu & Gornik in die Geschichte ein - so wie der 119. Wurf des Slowenen: "Katastrofa!"
Viele verstehen nichts von dem, was beide Kommentatoren im Video erzählen. Kegelverrückte können nur mutmaßen, dass die beiden über den Weg der Finalisten Nicolae Lupu, Rumänien, und Mitja Gornik, Slowenien, ins Endspiel der 2. Einzel-WM im Jahr 2008.
Nur das Wort "Katastrofa" - bosnisch für Katastrophe ;) - ist unmissverständlich zu verstehen. Und es spiegelt die Situation wie kein zweites Wort wider. Für den jungen Matija Gornik ist gerade eine Welt zusammengebrochen. Er wäre der logische Sieger dieses Duells gewesen, war einen Wurf, einen Kegel vom größtmöglichen Titel im Kegeln entfernt: Einzel-Weltmeister. Doch zwischen ihm und dem Titel steht: die Katastrophe.
Es ist eines dieser Videos, die ich damals "gesuchtet" habe. Ich war begeistert davon, wie man Kegeln in Szene setzen kann. 2008, als professionelle TV-Produktionen noch LKW-Ladungen an Technik gebraucht haben müssten, wurde in der Halle in Banja Luka groß aufgefahren - inklusive Kamerakran und Zeitlupen-Aufnahme.
Seit Juli 2009, also etwas mehr als ein Jahr nach der Katastrophe, steht das Video des Finales auf YouTube zur Verfügung. In sieben Teile aufgeteilt, können wir Kegler die 120 Wurf Mann gegen Mann im Re-Live verfolgen.
Und das Duell ist eines Finales würdig: Den ersten Satz zieht Lupu mit 159 zu 158, weil Gornik mehrere offene Bilder bekommt und sein 29. Wurf eine Neun sein muss - aber der letzte Kegel am Ende nur wackelt.
Der zweite Satz läuft ähnlich. Lupu hat gefühlt den besseren Kegelschlag, was auch das Ergebnis von 162 (Lupu) zu 149 (Gornik) zeigt.
Doch im dritten Satz wendet sich das Blatt. Gornik kann aufholen, unter anderem weil Lupu nach einer offenen 6 nicht mehr in die Volle kommt. Gornik (162) auf 472 und einen Satzpunkt nach 90 Wurf, Lupu (154) steht mit zwei Satzpunkten bei 475. Drei Kegel und einen Satzpunkt mehr - Lupu geht als Führender auf die letzte Bahn.
Und spitzt sich die Spannung bis kurz vor Schluss zu. Gornik ist auf dem Weg, den Erfahrenen auf der Zielgeraden doch noch zu besiegen. Lupu, der stets ein bis zwei Würfe schneller ist als Gornik, scheint etwas die Luft auszugehen. Die Anwürfe werden schwächer, er trifft die Bilder nicht mehr optimal. Gornik hingegen hat das Momentum, beißt sich rein und hat alle Trümpfe in der Hand.

Screenshot: MS v kolkoch Banja Luka 2008 finale 07 WM im kegeln Banja Luka 2008/KOLKYSK/YouTube
Screenshot: MS v kolkoch Banja Luka 2008 finale 07 WM im kegeln Banja Luka 2008/KOLKYSK/YouTube
Lupu spielt auf dem 28. Wurf eine Fünf ohne Kegel eins und kommt nicht mehr auf volles Bild, weil er auf den vorletzten Wurf nur zwei der vier Kegel trifft. Nebenan hat Gornik Pech auf das volle Bild, trifft 5 Kegel. Die restlichen aber stehen zusammen und er hat zwei Würfe fürs Abräumen - und benötigt dann nur noch eine Vier, um Einzel-Weltmeister zu sein.
Das weiß jeder, der das 120-Wurf-System verstanden hat, das weiß vermutlich auch Lupu. An einem normalen Tag würde Gornik auf den Thron steigen. Auf den 28. Wurf trifft der Slowene drei der vier Kegel. Jetzt muss er treffen. Doch dann sagen die Kommentatoren das unmissverständliche "Katastrofa" - und Gornik sinkt kurz nach dem Abwurf enttäuscht zu Boden. Er spielt rechts am rechten Äußeren, an Kegel 6 vorbei. Dieser Fehler - sein erster im WM-Finale - kostet ihm den Titel. Und lässt Lupu jubeln. Der macht das auf seine für ihn typische Art - auch wenn ihn der Schiedsrichter kurz um Zurückhaltung bittet.
